>> 28.07.2008
Studie: Moderne Arbeitswelt setzt Väter unter Druck
Männer wollen sich heutzutage immer häufiger um Kinder und Haushalt kümmern, doch leicht ist das nicht: In einer wissenschaftlichen Studie wurde jetzt untersucht, wie Beschäftigte im Einzelhandel und in der Filmbranche Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. Das Ergebnis: In diesen Branchen sind die Arbeitszeiten so unsozial, dass das Familienleben zwangsläufig darunter leidet.
Männer wollen sich heutzutage immer häufiger um Kinder und Haushalt kümmern, doch leicht ist das nicht: In einer wissenschaftlichen Studie wurde jetzt untersucht, wie Beschäftigte im Einzelhandel und in der Filmbranche Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. Das Ergebnis: In diesen Branchen sind die Arbeitszeiten so unsozial, dass das Familienleben zwangsläufig darunter leidet.
Eine Familie in den 1950er Jahren: Der Vater verdient den Lebensunterhalt, die Mutter zieht die Kinder groß - Familienleben und Erwerbsarbeit sind zwei recht streng getrennte Sphären. Seit Ende der 1960er Jahre weicht jedoch nicht nur die Rollenverteilung auf, sondern auch die Arbeitszeiten und -orte haben nahezu keine Grenzen mehr - allerdings mit jeweils ost- und westspezifischen Entwicklungsaspekten. Im Forschungsprojekt "Entgrenzte Arbeit - entgrenzte Familie" haben sich Forscher der Professur Industrie- und Techniksoziologie der TU Chemnitz von Prof. Dr. G. Günter Voß sowie des Deutschen Jugendinstituts München mit dem Umbruch in der Erwerbsarbeit und im Familienleben beschäftigt. Dazu haben sie von März 2006 bis Februar 2008 Interviews mit 76 Müttern und Vätern geführt, die in München oder Leipzig im Einzelhandel bzw. in der Fernseh- und Filmbranche arbeiten. Das Projekt wurde von der Hans-Böckler-Stiftung finanziell gefördert.
Der Einzelhandel steht in der Studie stellvertretend für die hochflexible Arbeit - und häufig verbreitete Teilzeitarbeit - im Dienstleistungssektor. Die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten verschärft den Trend zu flexiblen Arbeitszeiten und Schichtsystemen im Einzelhandel bei gleichzeitigem Abbau von Arbeitsplätzen. Im Jahr 2006 arbeiteten 2.585.000 Beschäftigte im Einzelhandel, 6,4 Prozent weniger als 1995. Jeder zweite Arbeitsplatz ist inzwischen ein Minijob oder eine Teilzeitstelle - gekennzeichnet durch in Lage und Dauer sehr variable Arbeitszeiten. Bei den Führungs- und Vollzeitkräften steigt parallel dazu die regelmäßige Wochenarbeitszeit. Durch eine geringe Personaldecke ist die Planung oft sehr kurzfristig und führt zu einer Unvorhersehbarkeit der Arbeitszeiten. "Auch die Arbeit zu so genannten unsozialen Zeiten - abends nach 19 Uhr und an Samstagen - ist im Einzelhandel weit verbreitet und macht es schwierig, ein soziales Leben mit der Familie und Freunden zu pflegen", sagt Peggy Szymenderski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Industrie- und Techniksoziologie der TU Chemnitz.
Mehr unter:









